links und informationen, ingo hinterding
die fülle der (meist englischen) artikel zum topic social navigation
im netz sind erschlagend. einige ansätze und links will ich hier aufführen:
was ist social navigation?
der information space, also der mit information gefüllte (netz-)raum,
verlangt nach gliederungsstrukturen, die es dem user ermöglichen, sich
aus der fülle an information die herauszusuchen, die ihn interessieren.
übliche strukturen sind weiterführende links oder eine sitemap.
social navigation bedient sich des benutzerverhaltens einer website,
um beziehungen der inhalte untereinander herzustellen. der besucher einer
website generiert passiv (siehe footprints) oder aktiv (siehe epinions)
eine struktur aus links, beziehungen oder inhalten, anhand derer spätere
benutzer einen gefilterten überblick erhalten. diese können sich
im idealfall zielgerichteter zur gewünschten information bewegen.
passive social navigation
ein system protokolliert genau, in welcher reihenfolge der besucher einer
site welche webseiten abruft und stellt diese information den folgenden benutzern
als navgationshilfe zu verfügung. dies kann graphisch (z.b. in form von
hyberbolic trees, generierten sitemaps) oder auch textbasiert erfolgen.
beispiel: eine internetseite besteht aus den seiten a,b,c und d.
besucher 1 kommt über einen link direkt zur seite b, findet dort einen
link zu a, geht dorthin und verlässt mit der gefundenen information
die seite wieder. besucher 2 bekäme nun bei einem konzept basierend
auf social navigation z.b die seiten a und b besonders hervorgehoben angeboten.
ist die von ihm gewünschte information z.b. ebenfalls auf seite a,
so gewinnt diese seite innerhalb der navigation weiter an präsenz.
eventuell interessieren sich die nächsten 10 besucher besonders für
seite d, so gewinnt diese seite mehr präsenz. die seite c verliert
an bedeutung, wird eventuell nicht mehr aufgezeigt (beispiel footprints).
footprints
footprints ist ein am "mit" entwickeltes java-applet,
welches in der bisherigen prototyp version passive social navigation
zur informationsstrukturierung benutzt. die entwickler führen ein beispiel
zur erläuterung auf: auf dem campus des mit gibt es viele wege
mit beschilderungen, von vornherein geplante verbindungslinien zwischen den
gebäuden. im laufe der zeit haben sich aber trampelpfade zwischen bestimmten
zielen ergeben, die nach und nach grösser wurden und schliesslich zu
festen wegen ausgebaut wurden. die studenten des campus haben so anhand ihres
eingeschlagenen weges für neue verknüpfungen (links) gesorgt.
footprints greift dieses konzept auf und erstellt anhand der besuchten
sites und der weiterführenden links ein mapping der website. jede besuchte
site wird in einer graphik aufgeführt, links zu anderen seiten werden
mit pfeilen markiert. ein farbsystem wertet die häufigkeit der besuche
weiter aus, blaue (kalte) pfeile markieren wenig traffic, rote (heisse) pfeile
viel verkehr. zwischen diesen extremen liegen farbliche zwischenwerte.
die vom applet generierte graphik zeigt nun deutlich einstiegspunkte und wege
des benutzers. besonders häufig abgerufene seiten sind farblich erkennbar,
die linkpfeile zeigen auf, welche seiten von wo erreicht werden und welche
eventuell nicht erreicht werden. durch häufige benutzung dieses systems
bilden sich nun auch hier virtuelle trampelpfade, die bewusst gewählt
oder vermieden werden können.
allgemein muss man unterscheiden zwischen maps, die den traffic der seiten
aufführen und solchen, die alle seiten aufführen. denn bei footprints
ergibt sich das problem, dass nicht besuchte seiten auch nicht in der graphik
auftauchen können. wurde von einer bestimmten seite kein link benutzt,
so taucht auch keine verknüpfung in der graphik auf, was wiederum rückschlüsse
auf fehler im site-design zulässt. schwer zu findene links können
so mit footprints recht schnell ausgemacht werden.
das produkt befindet sich laut website noch in der prototyp phase, eine neue
version mit der möglichkeit auch aktiv an der navigation teilzunehmen
ist in planung.
active social navigation
die benutzer eines informationsraumes wirken aktiv auf die struktur der inhalte
ein, d.h. sie bewerten und sortieren die relevanten informationen nach ihrer
subjektiven beurteilung und stellen diese informationen weiteren benutzern
als hilfe zu verfügung.
beispiel: ein benutzer sucht auf einer seite für freeware downloads
nach geeigneter software für seine webcam. die seite hat informationen
zu etwa 50 relevanten programmen gespeichert. die ausgabe der informationen
erfolgt nun nach beliebtheit der programme, ein bewertungssystem ermöglicht
es jedem user, seine individuellen erfahrungen mit der software zu schildern
und eine benotung zu vergeben. dadurch ändert sich eventuell die position
der software innerhalb der liste, besonders gute programme stehen an oberer
stelle, schlechte wandern nach unten oder fallen eventuell komplett aus
der auswahl heraus.
amazon.com
die website von amazon (und viele weitere) benutzt teilweise active
social navigation zur strukturierung von inhalten. amazon ist ein
online versandhaus. benutzer können in einer speziellen funktion z.b.
cds bewerten und eine liste ihrer favoriten zusammenstellen. die listen werden
dann von amazon in einer datenbank verwaltet. wählt ein benutzer einen
bestimmten interpreten aus, so schlägt amazon noch relevante andere interpreten
vor und zeigt auf, dass andere user, die ebenfalls diesen interpreten gut
fanden auch noch die folgenden interpreten für gut befanden. daraus ergibt
sich ein interessensnetzwerk aus bewertungen und meinungen, die z.b. bei epinions
das hauptthema ausmachen. hinter den generierten links steckt also keine von
vornherein designte struktur, sondern eine von den usern aktiv gestaltete
und von einer datenbank verwaltete linkauswahl. mit dieser methode ist es
einfach möglich, gleichgesinnte zu finden; eine art "cd sammlung
durchsuchen".
virtuelle communities
eine grosse rolle spielt social navigation bei virtuellen communities.
hier sind beide vorgestellen arten von navigation vertreten. eine onlinecommunity
setzt sich aus benutzern zusammen, die interessen teilen und informationen
austauschen. gruppierungen sorgen für gewichtungen, ihre zahlenmässige
präsenz im cyberspace bedeutet schon eine passive navigation. wo sich
viele tummeln ist information, zumindest scheint es dort interessant zu sein.
diese communities werden von den mitgliedern auch aktiv gestaltet, neue themenbereiche
eröffnet und informationen kanalisiert. somit ist auch die aktive komponente
vertreten.
ich werde dieses topic noch erweitern, nachdem ich weitere sites ausgewertet
habe, hier noch einige weiterführende links, die mir interessant erscheinen:
cyberspace
and websociology
eine unglaubliche umfassende englische linksammlung zu diesem thema
groupware:
virtual communities
ebenfalls riesige linksammlung zum thema mit links zu social navigation
workshop on social navigation
ein kleiner workshop mit meinungen und links, nicht sehr viel aber brauchbar
history-rich
tools for social navigation
umfassender artikel zu möglichkeiten der informationsgestaltung durch
passive benutzer, verfasst vom entwickler von footprints