Information Mapping  Seminar am FB Design der FH Aachen im WS 2000/2001
 
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Social Navigation
Von ingo@hinterding.de, am 6.11.00 um 21:52:01 Uhr.

social navigation

links und informationen, ingo hinterding
die fülle der (meist englischen) artikel zum topic social navigation im netz sind erschlagend. einige ansätze und links will ich hier aufführen:

was ist social navigation?
der information space, also der mit information gefüllte (netz-)raum, verlangt nach gliederungsstrukturen, die es dem user ermöglichen, sich aus der fülle an information die herauszusuchen, die ihn interessieren. übliche strukturen sind weiterführende links oder eine sitemap. social navigation bedient sich des benutzerverhaltens einer website, um beziehungen der inhalte untereinander herzustellen. der besucher einer website generiert passiv (siehe footprints) oder aktiv (siehe epinions) eine struktur aus links, beziehungen oder inhalten, anhand derer spätere benutzer einen gefilterten überblick erhalten. diese können sich im idealfall zielgerichteter zur gewünschten information bewegen.

passive social navigation
ein system protokolliert genau, in welcher reihenfolge der besucher einer site welche webseiten abruft und stellt diese information den folgenden benutzern als navgationshilfe zu verfügung. dies kann graphisch (z.b. in form von hyberbolic trees, generierten sitemaps) oder auch textbasiert erfolgen.

beispiel: eine internetseite besteht aus den seiten a,b,c und d.
besucher 1 kommt über einen link direkt zur seite b, findet dort einen link zu a, geht dorthin und verlässt mit der gefundenen information die seite wieder. besucher 2 bekäme nun bei einem konzept basierend auf social navigation z.b die seiten a und b besonders hervorgehoben angeboten. ist die von ihm gewünschte information z.b. ebenfalls auf seite a, so gewinnt diese seite innerhalb der navigation weiter an präsenz. eventuell interessieren sich die nächsten 10 besucher besonders für seite d, so gewinnt diese seite mehr präsenz. die seite c verliert an bedeutung, wird eventuell nicht mehr aufgezeigt (beispiel footprints).

footprints
footprints ist ein am "mit" entwickeltes java-applet, welches in der bisherigen prototyp version passive social navigation zur informationsstrukturierung benutzt. die entwickler führen ein beispiel zur erläuterung auf: auf dem campus des mit gibt es viele wege mit beschilderungen, von vornherein geplante verbindungslinien zwischen den gebäuden. im laufe der zeit haben sich aber trampelpfade zwischen bestimmten zielen ergeben, die nach und nach grösser wurden und schliesslich zu festen wegen ausgebaut wurden. die studenten des campus haben so anhand ihres eingeschlagenen weges für neue verknüpfungen (links) gesorgt.
footprints greift dieses konzept auf und erstellt anhand der besuchten sites und der weiterführenden links ein mapping der website. jede besuchte site wird in einer graphik aufgeführt, links zu anderen seiten werden mit pfeilen markiert. ein farbsystem wertet die häufigkeit der besuche weiter aus, blaue (kalte) pfeile markieren wenig traffic, rote (heisse) pfeile viel verkehr. zwischen diesen extremen liegen farbliche zwischenwerte.
die vom applet generierte graphik zeigt nun deutlich einstiegspunkte und wege des benutzers. besonders häufig abgerufene seiten sind farblich erkennbar, die linkpfeile zeigen auf, welche seiten von wo erreicht werden und welche eventuell nicht erreicht werden. durch häufige benutzung dieses systems bilden sich nun auch hier virtuelle trampelpfade, die bewusst gewählt oder vermieden werden können.
allgemein muss man unterscheiden zwischen maps, die den traffic der seiten aufführen und solchen, die alle seiten aufführen. denn bei footprints ergibt sich das problem, dass nicht besuchte seiten auch nicht in der graphik auftauchen können. wurde von einer bestimmten seite kein link benutzt, so taucht auch keine verknüpfung in der graphik auf, was wiederum rückschlüsse auf fehler im site-design zulässt. schwer zu findene links können so mit footprints recht schnell ausgemacht werden.
das produkt befindet sich laut website noch in der prototyp phase, eine neue version mit der möglichkeit auch aktiv an der navigation teilzunehmen ist in planung.

active social navigation
die benutzer eines informationsraumes wirken aktiv auf die struktur der inhalte ein, d.h. sie bewerten und sortieren die relevanten informationen nach ihrer subjektiven beurteilung und stellen diese informationen weiteren benutzern als hilfe zu verfügung.

beispiel: ein benutzer sucht auf einer seite für freeware downloads nach geeigneter software für seine webcam. die seite hat informationen zu etwa 50 relevanten programmen gespeichert. die ausgabe der informationen erfolgt nun nach beliebtheit der programme, ein bewertungssystem ermöglicht es jedem user, seine individuellen erfahrungen mit der software zu schildern und eine benotung zu vergeben. dadurch ändert sich eventuell die position der software innerhalb der liste, besonders gute programme stehen an oberer stelle, schlechte wandern nach unten oder fallen eventuell komplett aus der auswahl heraus.

amazon.com
die website von amazon (und viele weitere) benutzt teilweise active social navigation zur strukturierung von inhalten. amazon ist ein online versandhaus. benutzer können in einer speziellen funktion z.b. cds bewerten und eine liste ihrer favoriten zusammenstellen. die listen werden dann von amazon in einer datenbank verwaltet. wählt ein benutzer einen bestimmten interpreten aus, so schlägt amazon noch relevante andere interpreten vor und zeigt auf, dass andere user, die ebenfalls diesen interpreten gut fanden auch noch die folgenden interpreten für gut befanden. daraus ergibt sich ein interessensnetzwerk aus bewertungen und meinungen, die z.b. bei epinions das hauptthema ausmachen. hinter den generierten links steckt also keine von vornherein designte struktur, sondern eine von den usern aktiv gestaltete und von einer datenbank verwaltete linkauswahl. mit dieser methode ist es einfach möglich, gleichgesinnte zu finden; eine art "cd sammlung durchsuchen".

 

virtuelle communities
eine grosse rolle spielt social navigation bei virtuellen communities. hier sind beide vorgestellen arten von navigation vertreten. eine onlinecommunity setzt sich aus benutzern zusammen, die interessen teilen und informationen austauschen. gruppierungen sorgen für gewichtungen, ihre zahlenmässige präsenz im cyberspace bedeutet schon eine passive navigation. wo sich viele tummeln ist information, zumindest scheint es dort interessant zu sein. diese communities werden von den mitgliedern auch aktiv gestaltet, neue themenbereiche eröffnet und informationen kanalisiert. somit ist auch die aktive komponente vertreten.

 

ich werde dieses topic noch erweitern, nachdem ich weitere sites ausgewertet habe, hier noch einige weiterführende links, die mir interessant erscheinen:

cyberspace and websociology
eine unglaubliche umfassende englische linksammlung zu diesem thema

groupware: virtual communities
ebenfalls riesige linksammlung zum thema mit links zu social navigation

workshop on social navigation
ein kleiner workshop mit meinungen und links, nicht sehr viel aber brauchbar

history-rich tools for social navigation
umfassender artikel zu möglichkeiten der informationsgestaltung durch passive benutzer, verfasst vom entwickler von footprints

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