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Gastkolumne von Dr. Donald A. Norman, Leiter der Nielsen Norman Group. (Offizielle deutsche Übersetzung der amerikanischen Originalversion vom 09.12.2001, aus dem Archiv der www.tuv-secure-it.com, Anmerkung: leider würde der Artikel aus der Seite entfernt.)
Zusammenfassung:
Willkommen in der DVD-Welt. Fast niemand weiß wirklich, was es mit dem Medium DVD eigentlich auf sich hat. Wir wissen, dass es etwas mit Hypertext und Menüs zu tun hat, mit Cursern, Klicken, Auswählen und wieder Klicken. Die ersten DVD's waren gut gestaltet. Die Designer hatten das Medium noch nicht für sich entdeckt; alles war darum sehr einfach gehalten. Mittlerweile sind Grafikfachleute auf DVD's aufmerksam geworden und somit tauchen wir in die Horrorszenarien der Vergangenheit ein. Es scheint normal zu sein, dass, wenn ein neues Medium auf den Markt kommt, die Benutzer unter den Sünden zu leiden haben, die bereits bei vorangegangenen Medien begangen wurden. Memento, ein faszinierender Film, ist mit einer Internetseite vergleichbar. Er steckt voll versteckter Worte und Sprüngen zu reizvoll uneindeutigen Bildern, die sich über den Bildschirm bewegen. Theoretisch kann man dies als hochentwickelten Hypertext ansehen, wenn man die Untertitel der Geschichte auf nicht linearem Weg durchkämmt und somit die Zeitverzerrung des Films widergespiegelt wird. Zu Beginn ist der Film tatsächlich linear aufgebaut, so dass die Untertitel eher gegen den Filmverlauf arbeiten, obwohl sie ihn doch eigentlich unterstützen sollten. Hat der Designer etwa nicht das Interview mit dem Filmproduzenten auf eben dieser DVD angeschaut? Es ist richtig, dass der Film den Zeitverlauf neu gestaltet; linear und umgekehrt (nun, fast). Der Produzent weist in seinem Interview deutlich darauf hin, dass kein Abschnitt gelöscht oder anders eingeordnet werden darf, da sonst der Film als Ganzes zerstört wird. Mit anderen Worten: der Film - im Gegensatz zu den Untertiteln- hat eine feste Struktur. Selbst wenn Sie jetzt denken, dass es kein Verbrechen ist, wenn der Untertitel nicht zu dem Film passt, ist es auf alle Fälle ein Fehler, Hypertext auf einer DVD anzubieten. Die DVD ist grundsätzlich langsam und darum nicht vergleichbar mit einem normalen PC. Es braucht Zeit, einen bestimmten Bereich auf einer DVD anzusteuern (in Sekunden gemessen). Auch wenn der Zuschauer zunächst von der Pfiffigkeit der Seite fasziniert ist, wird es nicht lange dauern, bis diese Faszination verpufft ist. "Müssen wir uns das wirklich alles anschauen?" fragte mich meine Familie, als ich geduldig versuchte den verknüpften Text zu ergründen. "Nein." antwortete ich und kehrte erleichtert zum Hauptmenü zurück. Denken Sie einmal an DVD-Menüs. Ursprünglich waren sie recht simpel gehalten. Aber als DVD's populärer wurden, übernahmen die Grafikdesigner das Ruder. Nun haben wir es mit fantasievollen, animierten und komplexen Menüs zu tun. Mehr noch, der Eintritt und das Verlassen des Menübaums selbst ist eine gut ausgearbeitete Produktion geworden. So wird die eine Sekunde, die es dauert von einem Menüpunkt zum nächsten zu wechseln, mit sekundenlangen Ausschnitten des Films oder anderen Animationen mit Musikbegleitung untermalt. Die Regel heißt demnach wohl "Langsam ist besser". Dies widerspricht allerdings allen Dialogprinzipien zum Erzielen von Usability. Natürlich kann geringes Tempo auch gut sein. Die Einleitungen und Szenenwechsel sind interessant - beim ersten Mal - aber nicht immer und immer wieder. Einmal ist interessant. Zweimal in Ordnung. Ein weiteres Mal allerdings wird es langweilig. Sozusagen eine Frustrationsübung. Die Menüs selbst sind unglücklicherweise nicht standardisiert. Bei einigen DVD's kann der gewünschte Bildschirmbereich mit einem Cursor angesteuert werden, bei anderen muss die Fernbedienung dazu benutzt werden. Die aktuelle Aktion kann dann durch die "Select" Taste ausgelöst werden (die auf fast jeder Fernbedienung anders heißt). Bei einigen DVD's allerdings wird die Aktion ausgelöst, sobald sich der Cursor auf dem entsprechenden Item befindet. Viele DVD's sind in sich inkonsistent. Einige Bereiche lassen sich auf die eine Art und Weise ansteuern, andere Bereiche auf die andere. Die Designer haben das Windows-Modell noch nicht begriffen. Darum führt in dem einen Fall das Drücken des Joysticks (oder des Pfeils) nach oben den Cursor auch nach oben, in anderen Fällen führt es ihn allerdings nach unten. Manchmal öffnet das Auswahlmenü auf dem Bildschirm die nächste Seite durch einen Pfeil nach links oder nach rechts, manchmal durch ein "nächstes" Item.
Das DVD-Navigationsdesign sollte von den Erkenntnissen die bereits bei andere Medien gewonnen wurden lernen. Allerdings sollten DVD-Navigationsdesigns diesem neuen Bereich angemessen umgesetzt werden.
Letztes Update: Donnerstag, 4. April 2002 um 17:39:20 Uhr Dies ist eine Manila Site |
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